Ausländer an Unis willkommen – Nachwuchs für Firmen

Im vergangenen Jahr überschritt die Zahl erstmals die Schwelle von 300.000, wie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in dieser Woche stolz verkündete. Davon zogen 218.000 für das Studium nach Deutschland, während 82.000 bereits vor der Immatrikulation in der Bundesrepublik lebten.

“Jeder neunte Studierende in Deutschland stammt inzwischen aus dem Ausland”, erklärte Wanka und bekräftigte das Ziel, bis 2020 ihre Zahl auf 350.000 zu steigern. Fast jeder zweite der Studenten, die für das Studium nach Deutschland reisten, stammen aus einem europäischen Land. Die Liste der Herkunftsländer führt China mit rund 28.000 an, gefolgt von Russland und Indien. 

Das Werben um Ausländer ist nicht ganz uneigennützig, denn wegen der schrumpfenden Bevölkerung fürchten Arbeitgeber, dass ihnen junge Facharbeiter ausgehen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert mehr Bemühungen um nichtdeutsche Studenten und kritisiert, dass von zehn Erstsemestern nur drei später dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brachten es 41 Prozent der Jahrgänge 2008 und 2009 im Bachelor-Studiengang nicht bis zu Examen. Besser sieht es beim weiterführenden Master aus, den nur neun Prozent abbrechen. Ist erst einmal der Abschluss geschafft, bleibt nur jeder zweite Ausländer in Deutschland.

Aus Sicht der BDA-Hochschulexpertin Isabel Rohner könnten aber jährlich rund 10.000 ausländische Uni-Absolventen mehr in Deutschland einen Job suchen. “Dazu müssten die Studienabbruchquoten auf das Niveau der deutschen Studienanfänger gesenkt werden, also auf unter 30 Prozent.” Außerdem müssten mehr Ausländer bleiben.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellt auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, immer mehr ausländische Studenten an die Unis zu holen. Schließlich werden in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Staaten kaum nennenswerte Studiengebühren erhoben. Die Organisation geht davon aus, dass der Anteil ausländischer Erstsemester, der derzeit 20 Prozent beträgt, bis 2025 auf über 40 Prozent steigen wird. Demnach würde sich die Finanzierung des Studiums von ausländischen Studenten von heute 1,6 Milliarden Euro auf drei Milliarden Euro fast verdoppeln. Im Moment rechnet der Verband damit, dass bei ausländischen Studenten Investitionen von rund 134.000 Euro nötig sind, um eine Fachkraft für den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Bei den deutschen Studierenden sind es rund 46.000 Euro. 

Das Forschungsministerium hält gegen diese Kosten-Nutzen-Bilanz. “Nicht nur der ideelle Gewinn ist hoch, wenn kluge Köpfe aus dem Ausland bei uns studieren und ihren Abschluss machen”, sagt Sprecherin Christina Brüning. “Volkswirtschaftlich stimmt die Rechnung für die Steuerzahler bereits, wenn 30 Prozent der ausländischen Studierenden im Anschluss an ihr Studium fünf Jahre in Deutschland arbeiten. Faktisch bleiben aber zurzeit mehr”, sagt sie mit Blick auf jene Ausländer, die für das Studium nach Deutschland gezogen sind. Außerdem seien auch die Rückkehrer ein Gewinn, denn sie würden in ihrer Heimat für bessere Beziehungen zu Deutschland beitragen.

Auch Pascal Hetze vom Stifterverband räumt ein: “Es wird nie so sein, dass ein internationaler Berufseinsteiger genauso viel kostet wie einer, der seine Bildungsbiografie in Deutschland begonnen hat.” Ziel ist natürlich, diese Lücke so gering wie möglich zu halten. Bei Wirtschafts- und Wissenschaftsverbänden besteht Einigkeit, dass mit einem besseren Sprachunterricht und mehr Informationen über Studium sowie Arbeitsmöglichkeiten die Abbrecherquote gesenkt und die Bleibequote gesteigert werden kann.

Der wichtigste Anreiz zum Bleiben ist jedoch nach Hetzes Ansicht eine bessere Willkommenskultur: “Wenn ich sozial integriert bin, dann lerne ich auch die Sprache. Wenn ich die Sprache gelernt habe und ein gutes Bild von dem Land habe, dann möchte ich gerne weiter bleiben und eine Beschäftigung suchen.” 

Quelle: Wirtschaftsblatt – Zur Nachricht

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